Random Post: Wurst-Warez
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    Warum glauben die Leute eigentlich immer, Schauspieler sei kein richtiger Beruf?!

    Zugegben, wenn man nur deutsches Fernsehen sieht, könnte man diesen Eindruck tatsächlich bekommen.

    Elton und Simon Gosejohann, ihres Zeichens C-Klasse-Promis, dabei zusehen zu müssen, wie sie sich Geldtücke um die Wette in die Badehosen stopfen; der Verlierer muss dann Kaffe aus den getragenen Socken des Gewinners trinken, ist schon sehr speziell…….

    Aber es ging ja um Schauspieler.
    Weiterhin zugegeben, die meisten Schauspieler verbringen locker 70% ihres Berufslebens mit anderen Tätigkeiten, die ihnen hinreichend viel Geld einbringen, damit sie sich diesen speziellen Beruf überhaupt leisten können.
    Dabei liegt das Problem ja eher in der mangelhaften Vergütung der Arbeit. Unglaublich, aber wahr: an einem Theater verdienen Schauspieler am schlechtesten von allen Beteiligten. Selbst die Putzfrauen bekommen dort bessere Stundenlöhne.
    Eine Kollegin hat mal in ihrem Theater, an dem sie nun auch schon seit 3 Jahren einen Vertrag hat, nach einer Gehaltserhöhung gefragt. Daraufhin entgegnete man ihr “Wenn ihnen das Geld nicht reicht, dann gehen sie doch noch nebenher kellnern. Die Kollegin F. macht das ja schließlich auch.”

    -.-
    Da fällt einem in Wahrheit nicht mehr viel zu ein.

    Oft wird behauptet, Schauspieler, die spielen ja gerne, jaha, das macht denen Spaß.
    Ja, und wenn das Spaß macht, dann kann das ja logischerweise auch kein richtiger Beruf sein. Und überhaupt “spielen” - das kann man doch gar nicht “professionell” machen. Das macht man weil man Spaß daran hat.
    Mag ja sein, dass diese Leute mit ihrer Arbeit nichts positives verbinden. Aber das ist doch wohl eher deren Problem! Vielleicht ist es ja eine Art unterschwelliger Neid: “Menno - der macht was, was ihm Spaß macht und er bekommt auch noch Geld dafür. Wie gemein…… Na ja…..dafür verdiene ich mehr! Ha - in your face!”. Neid ist schließlich die deutsche Tugend für Anerkennung.

    In dem Buch das ich gerade lese, “Die sind ja nackt!: Keine Angst, die wollen Spielen. Gebrauchsanweisung fürs Theater”, wird berichtet, dass unser Bundespräsident nach einer Theatervorstellung in Berlin hinter die Bühne gekommen sei und die Schauspieler gefragt habe, was sie denn hauptberuflich machen.
    Es ist immer wieder erfrischend, wie man von den meisten Leuten angesehen wird, wenn sie erfahren, man sei Schauspieler. Wenn wir in Grundschulen spielen, fragen uns die Kinder natürlich immer, ob wir echte Schauspieler wären. Die Antwort darauf überzeugt sie aber erst, wenn sie dabei auch erfahren, dass wir auch schon mal im Fernsehen waren. Verrückt - einer der Schauspieler sein will und noch nie im Fernsehen war - das geht doch gar nicht. Oder?
    Aber schön, dass uns oft Lehrer danach beiseite nehmen und fragen “-krampfhaft lächelnd- Nein, aber mal im Ernst, was machen sie denn beruflich?”

    Möglicherweise hat diese Missachtung der Schauspielerei als ernsthaften Beruf (immerhin das zweitälteste Gewerbe der Welt) aber auch ganz einfache Ursachen.
    Wann guckt man sich denn einen Film an? Und warum? Oder wann geht man denn mal in ein Theaterstück? Das alles geschieht in der Regel in der Freizeit und zum Vergnügen. Der durchschnittliche Bürger der Mittelschicht und darunter begegnet also Schauspielern nie persönlich und stets in seiner Freizeit. Wie soll er diesen Beruf denn dann auch mit Ernsthaftigkeit verbinden? Durchaus spannend, dass Geld und Spaß scheibar eine leere Schnittmenge haben, zumindest was die gesellschaftliche Arbeitsrezeption angeht.

    Vieleicht ist es an der Zeit, sich mal zu wehren.
    Ich werde die wenigen begabten Menschen, die bei MacDonalds arbeiten jetzt auch mal fragen, was sie denn beruflich machen, oder womit sie denn ihr Geld verdienen. Bei MC ja wohl kaum.
    Oder ich frage die Kneipenbedienungen einfach mal, in welchem Theater sie denn spielen; die Wahrscheinlichkeit, dass ich mit der Vermutung richtig liege, ist in einer Stadt mit vitaler Kulturszene sogar recht hoch. Anerkennung verweigern kann ich auch.
    Man sollte sich jedoch zuvor einer vorhandenen Grundintelligenz seines Gegenübers versichern, da sich die anderen als Ironieresistent erwiesen haben.

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