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    Berufs-Rassismus

    Kennen Sie das? Sie sind irgendwo und irgendjemand macht einen Witz oder Spruch über BWLer / Informatiker / Medienwissenschaftler / Juristen / Mediziner / Geisteswissenschaftler / Lehrer? Und wahrscheinlich fanden Sie den Witz oder Spruch sogar auch ganz lustig.
    Waren Sie auch schon mal selbst betroffen? War wahrscheinlich noch nicht mal so schlimm.
    Möglicherweise haben Sie sogar selbst schon mal einen Spruch über eine der einschlägigen Berufsgruppierungen gemacht, ohne sich gleich als Erbe Deutschlands jüngster Diktatur zu fühlen. Klar. Macht doch auch jeder mal, oder?

    Im Volksmund wird dieses Gehabe Vorurteil genannt. In meinen Augen ist es jedoch nicht weniger als eine weitere Mutations-Stufe des Rassismus. Zwar hat das nichts mit Rassen im klassischen Sinne zu tun, aber in Ermangelung eines expliziten Wortes, wird eben dieses gewählt. Die Bedeutung des Wortes Rassismus ist mittlerweile als eigener Begriff, losgelöst von seiner etymologischen Herkunft, klar verständlich.
    Eine weitere Ausprägung des Rassismus wäre beispielsweise Mobbing. Dies tritt allerdings nur bei spezifischen Personengruppen auf, also auch vor allem innerhalb eines Berufszweiges.

    Wie auch immer man all diese Ausprägungen schönreden mag - sie bleiben doch eines: Rassismus.
    Und wie bei so vielen Lastern, beginnt auch Rassismus im Kopf.

    “Aber nein!”, werden die Gutbürgerlichen aufbrausen. “Das Verruchte am Rassismus ist doch, dass man sich nicht aussuchen kann, in welche Ethnie man hineingeboren wird!”
    Nein, das ist es nicht. Das, was den Rassismus so schlimm macht, ist der Hass, die Verachtung und die Ausgrenzung, welche durch xenophob Veranlagte scheinbar grundlos entfesselt wird. Warum üben wir denn den oder den Beruf aus? Doch nicht weil wir geknobelt haben. Sondern doch eher, weil wir genau das machen wollten. Beruf hat auch immer etwas mit Berufung zu tun. Und seine Berufung kann man sich nicht aussuchen. Man kann sich nur aussuchen, ihr zu folgen. Oder eben auch nicht.

    Ganz egal ob man nicht auf eine reine Mediziner-Party möchte, zu viele Lehrer auf einem Haufen anstrengend findet, behauptet BWLer würden sich selbst und ihre Umwelt allein mit Hilfe des Attributs “generelles Gutaussehen” beschreiben und bewerten, gelegentlich “Medien-Mäuse” zu sagen pflegt oder fest der Überzeugung ist, dass alle Informatiker wie folgt, völlig hinreichend zu beschreiben sind:

    • Figur: von schlaksig bis mopsig, aber niemals “medien-hübsch”
    • Umgebung: überwiegend Umgang mit “Gleichgesinnten”; meist in Keller- oder Dach-Appartments hausend
    • Erscheinung: hell bis bleich — Keller eben
    • Kleidung: Jeans in Blau oder schwarz, nicht selten Hochwasser und arg verwaschen; schwarz-bunte Metal-T-Hemden, meist schon antik
    • Ausrüstung: Aktenkoffer und/oder Notebook oder schwarzer Rucksack aus Vollplastik, Überbleibsel aus der Schulzeit
    • Haare: irgendwie

    Dann, und genau dann, ist man auch ein bisschen rassistisch.

    Der Gipfel liegt jedoch noch eine Schicht weiter unten. Bei Beziehungen spricht der Volksmund gerne von der Bauernweisheit “Gegensätze ziehen sich an”. Wäre diese Regel wahr, gäbe es tatsächlich viele Elektrotechniker, die mit Grundschullehrerinnen auf dem Sozius in Richtung Sonnenuntergang brettern würden.
    Zwei magnetische Gegenpole ziehen sich natürlich an. Und was passiert dann mit denen? Genau, die prallen völlig ungebremst aufeinander und setzten zusätzliche kinetische Energie frei. Haben Sie sich schon mal einen Finger zwischen zwei sich anziehenden Magneten geklemmt? Spaß geht anders! Genau so verhält es sich mit gegensätzlichen Beziehungsteilnehmern. Zunächst finden sie sich, und das was sie an einander haben, noch spannend und aufregend und anziehend. Aber dann …

    Not the fall is the problem, the sudden stop is.

    Ich musste schon sehr oft Aussagen wie “Ich kann doch mit keinem/keiner [hier Berufsgruppe einfügen] zusammen sein!” mit anhören. Normalerweise haben Leuten, die derlei Aussagen tätigen, hierzulande recht schnell ein Rudel gewaltbereiter Linker am Hals, welche danach trachten, dem Volkshverhetzenden arglistige Schmerzen zuzufügen. Vielleicht geht eben doch die Feldmaus zur Feldmaus und das Pferd geht zum Pferd und so weiter Punkt Bindestrich. Auch wenn der Urheber dieses Gleichnisses einen anderen Zweck damit verfolgte. Aber was soll eine Feldmaus auch mit einem Pferd? Gut, sie könnten gemeinsam ausreiten. Aber das ist auch eher einseitig und wird schnell langweilig. Worüber unterhalten sie sich? Kann die Feldmaus überhaupt genug Konzentration und Fokus aufbringen, die das Pferd verlangt, wenn es in aller Gemütlichkeit von seiner Feldarbeit berichtet? Wird das Pferd nicht der ständigen Ausschweifungen der Maus über Essen und essen überdrüssig? Und der Sex scheidet ja wohl völlig aus.
    Eine Feldmaus und eine Wühlmaus hingegen würden vielleicht ein großartiges Liebespaar abgeben.

    Schade. So kann keine interdisziplinäre Ergänzung stattfinden.

    One Response to “Berufs-Rassismus”

    1. Kasi Says:

      Es polarisiert wohl gerne? Die Welt ist doch viel bunter! Mindestens die Hälfte aller sich selbst als interdisziplinär betrachtenden WeWis witzelt zum Beispiel über BWLer und Informatiker, weil man den Vergleich einfach liebt und wir fest daran glauben, dass ohne die gewissen Unterschiede, das Leben nur halb so schön ist :) Tatsächlich trifft man einige “typische” Erscheinungen häufiger, wie z.B. BWLer im rosa Polohemd - in der Tendenz seltener gibt es dieses bei den Informatikern zu entdecken. Und Lehramtsstudis kleiden sich insbesondere zu feierlichen Anlässen eher entspannter als MeWis…wie gesagt, immer nur tendenziell. Aber wer will denn von Rassismus sprechen, wenn die Unterschiede Spaß machen?
      All der Einheitsbrei fällt gewissermaßen aus den Diskussionen heraus und nur bestimmte Positionen bleiben im Raster der Aufmerksamkeit hängen. Wenn wir das Drumherum nicht vergessen, kann die Debatte doch auch einfach Spaß machen. Man muss sich ja nicht gegenseitig mit Stereotypen plattfahren. Wenn man das berücksichtit, erfeut man sich am doch durchaus gewinnbringenden Gerangel um den gleichen Nenner. Und überhaupt - man mag Brüche. Wo kämen wir denn hin, wenn wir über Unterschiede keine Witze mehr machen könnten? Was wäre dann die Basis für Hägar und Touché?
      Am Ende braucht es immer viel Humor und die Fähigkeit, aus ganz unterschiedlichen Haltungen und Positionen die Parallelen herauszufiltern. Das klappt nicht immer - aber es kann funktionieren. Wäre man nur unter seinesgleichen - hach, was würde man sich dann langweilen.
      In diesem Sinne - bis gleich ;)

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